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Manifest für die Gewissensfreiheit

Sonntag 27. November 2011

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Der Mensch ist frei geboren.

Die Natur hat weder Titel, Religionen, religiöse Institutionen, noch Besitz geschaffen.

Der Mensch ist zudem geworden was er ist, indem er seit der Urgeschichte in einem langen Kampf schreckliche Prüfungen, die er weder kannte noch verstand, auf diesen Planeten bestehen musste.

Langsam, aber sicher entweicht der Mensch den Zwängen und Hemmnissen, auch den selbst erschaffenden Zwängen und Hemmnissen und musste für sich selbst seine Rechte behaupten.

Menschenrechte wurden weder erkämpft noch entrissen gegen andere sogenannter „Rechte“ unbekannter Herkunft.

Diese Rechte gibt es, weil es die Menschen gibt.

Menschenrechte sind „in sich offensichtliche Wahrheiten“.

Das erste dieser Rechte; die erste dieser Freiheiten ist das Recht frei zu denken.

Diese erste und grundsätzliche Freiheit heißt Gewissensfreiheit.

Eindeutig ist, dass es Menschen gibt, bevor es Kirchen gab.

Eindeutig ist über den Kirchen hinaus, gibt es Menschen.

Götter, Kirchen, Aberglaube, Dogmen sind nichts anderes als menschliche Kreationen.

Immer mehr Gewissen

„mehr Licht!“

Mit Jahrhunderten dazwischen, eignen wir uns den letzten Satz Goethes an.

Die Gewissensfreiheit ist die Freiheit für den Menschen zu forschen und sich zu untersuchen.

Die Menschheit hat ihre Schwächen und Stärken, weil sie Verstand und Vernunft besitzt und somit Kritik ausüben kann.

Was Menschen erschaffen, können sie auch zerstören.

Die nachfolgenden Generationen können sich nicht gegenseitig und ewig fesseln.

Im Gegensatz zu den Kirchen konnten, können und werden sich weiterhin freie und bewusste Menschen sich der Unfehlbarkeit verweigern.

Was gut für die Päpste ist, ist nicht gut für Menschen.

Der Mensch gilt als entwicklungs- und vervollkommnungsfähig, das heißt er kann sich korrigieren und verbessern, er betrachtet das Paradies weder als eine schuldige Vergangenheit noch als nicht erreichbare und mythische Zukunft, sondern als eine tägliche Aktion, erlaubt durch die Gewissensfreiheit.

Wir können entsprechend Protagoras sagen „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“

Die menschliche Genialität ist unbegrenzt. Fähig auch die kleinste der Zellen des Universums zu teilen, ist er auch fähig seine eigene Struktur zu verändern, Planeten zu entdecken, über die Herkunft der Welt zu forschen und über seine eigene Zukunft nachzudenken.

Und natürlich ist die Menschheit fähig ihre eigene Zerstörung zu programmieren.

Das Schicksal der Menschheit ist das Projekt der Menschen und in der Mythologie hatte der aufständische Prometheus recht, das Feuer den Besitzenden zu entreißen um es den Menschen zu geben. Er ist die Metapher der Menschheit im Kampf für seine Emanzipation.

Gewissensfreiheit zu bekräftigen bedeutet nichts anderes als Freiheit der Menschen, die Menschheit ist immer wieder auf religiöse Dogmen geprallt.

Jedes Mal, wenn die Menschheit, egal auf welche Art weitergekommen ist und ihre Rechte weiterentwickelten, haben die Kirchen sie verurteilt.

Geschichte

Die Liste der Märtyrer und Helden der Gewissensfreiheit ist wesentlich länger als wir hier beschreiben können.

Sokrates wurde zum Tod durch Gift verurteilt, weil er befürwortete, dass die Jugend selbst nachdenken kann.

Der Philosoph der Sorbonne, Abaelard wurde verstümmelt, weil er meinte , dass seine eigenen Ansichten gleichberechtigt neben denen der „Väter“ waren.

Der Wissenschaftler Galileo Galilei wurde verurteilt, weil er sich nicht zu den Verfälschungen, entsprechend der Bibel bekannte, sondern zu den Ergebnissen, die er aus seinen eigenen Forschungen ableitete.

Das gleiche gilt für Etienne Dolet, Giordano Bruno, Michel Servet, Vanino Vanini und vielen anderen.

Als der erste Text , der die Rechte im Abendland etablierte(Magna Charta in England 1215) geschrieben wurde, wurde der Erzbischof von Canterbury Langton , der diesen Text unterstützte vom Papst suspendiert.

Die Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 in Frankreich wurde vom Papst verurteilt.

Charles Bradlaugh, demokratisch in das Parlament von Westminster 1880 gewählt, musste einen langen Kampf führen um sein Recht auf den Parlamentssitz zu erlangen, ohne die christliche Eidesformel zu sprechen.

 

Der spanische Pädagoge und Freidenker Francisco Ferrer i Guarda wurde 1909 auf Antrag der katholischen Kirche erschossen.

Der Freidenker und Freigeist Chevalier de la Barre wurde auf Befehl der Kirche exekutiert und der Vorsitzende der deutschen Freidenker Max Sievert wurde 1943 in Hamburg von den Nazis hingerichtet.

Die Liste ist lang ...

Sie zeugt vom immerwährenden Kampf zwischen Dogma und Gewissensfreiheit.

Zum heutigen Tage

Alle sehen, dass die Kirchen weiterhin die Gewissensfreiheit unterdrücken und verfolgen. Die Kirchen haben sich nicht verändert.

Als Beispiel : in Pakistan wurde Dr. Younus Shaikh wegen Blasphemie angeklagt und 2001 zum Tod verurteilt. Er hat mehr als 3 Jahre im Todestrakt verbracht, bevor er nach Europa, aufgrund einer internationalen Solidaritätskampagne flüchten konnte.

In Nigeria wurde der Kämpfer Leo Igwe mehrmals verhaftet und von der Polizei brutalisiert, weil er Personen verteidigt hat, die wegen „Hexerei“ angeklagt waren. Er wurde im Januar 2011, nach 2 Tagen Haft, infolge einer internationalen Kampagne zu seinen Gunsten, entlassen.

Der italienische Richter Luigi Tosti hört nicht auf, um die Wiederherstellung seiner gesamten Rechte zu kämpfen, er wurde entlassen, weil er sich geweigert hatte unter einem Kruzifix zu urteilen.

Die „Große Kammer“, Berufungsinstanz des europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, angerufen von der Regierung Berlusconi, hat dem italienischen Staat Recht gegeben, der weiterhin Kruzifixe in den Klassenräumen durchsetzen kann. (sogenannte Sache „Lautsi“).

Wir können noch viele andere Beispiele nennen, darunter die aktuelle Zerstörung von Kunstbildern in Avignon in Frankreich durch ein katholisches Kommando, weil sie sie als blasphemisch ansehen.

Entreißen, Verteidigen oder wiederherstellen der Gewissensfreiheit

Wie jedes Recht muss die Gewissensfreiheit in Gesetzen, egal ob sie Deklarationen, Verfassungen. Gesetze oder juristische Elemente sind, verankert sein.

In bestimmten Ländern gibt es diese Texte. Es handelt sich um den Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten : Der 1791 verabschiedete Artikel verbietet dem Kongress, Gesetze zu verabschieden, die die Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit oder das Petitionsrecht einschränken. Außerdem verbietet der Artikel die Einführung einer Staatsreligion und die Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Religionen durch Bundesgesetz; das Gesetz der Trennung von Kirchen und Staat in Frankreich von 1905 „ Die Republik erkennt noch entlohnt noch subventioniert keine Religion. Dies bedeutet, dass ab dem 1. Januar 1906 nach der Verabschiedung dieses Gesetzes alle Ausgaben, die zur Religionsausübung gehören , aus den Staats-, Departements und Gemeindehaushalten gestrichen werden.“ Artikel 3 der Verfassung in Mexiko (1917) „ weder Anschaffungen, noch Besitz oder Verwaltung von Immobilien für die Kirche; keine juristische Person für die Kirche“ von Portugal, dem revolutionären Russland von 1917, dem Verfassungsreferendum in Bolivien (2009), der „vorläufigen“ Verfassung (2007)von Nepal unter vielen anderem.

Es ist nicht ohne Bedeutung sich daran zu erinnern, dass diesen Texten oft hart zugesetzt wird und dass ihre Verteidigung oder ihre Wiederherstellung nötig ist: das ist zum Beispiel in Frankreich der Fall, seit der Vichy-Regierung haben alle Regierungen das Gesetz zur Trennung zerstückelt und unterlaufen.

Deshalb begrüßen wir alle Kämpfe, die in diesem Sinne für die Gewissensfreiheit gehen, darunter

die kürzliche Aufhebung als Straftatbestand der Blasphemie im Vereinigten Königreich. In Polen wurden im März 2010 das bischöfliche Magazin Gosc Niedzielny und die Diözese Kattowitz für den Vergleich der Feministin Alicja Tysiac mit Nazi-Kriminellen, verurteilt. Andere Beispiele für Siege sind bekannt.

Wir begrüßen die antiklerikalen Demonstrationen in Polen, in Italien; wir grüßen die zehntausenden Demonstranten in den Straßen von Beirut im Libanon, um zu sagen: „ Die Laizität ist die Lösung“ in einem Land, wo das System eine komplexe Mischung der Machtteilung der Bevölkerungsgruppenquote ist; Tausende Demonstranten in Tunesien haben für sich die Parole beansprucht „ Laizität = Freiheit und Toleranz“, „für ein laizistisches Tunesien“ ; Tausende Demonstranten in London, während des Besuchs des Chefs der katholischen Kirche, um zu sagen «Make the Pope pay»; Laizistische Kundgebungen in Spanien...

In allen Arten und Weisen, auf allen Kontinenten, die Form ist verschieden, aber der Grund ist derselbe:

Forderung nach der Gewissensfreiheit !

Wir kämpfen für die Aufhebung aller Konkordate, gegen jeden Religionskrieg und gegen jeden „Zivilisationsschock“

Überlegungen

Unsere Traditionen und unsere Kämpfe, einschließlich Anträge und Resolutionen auf dem Weltkongress der Freidenker in Rom 1904, sind Garantie und Versprechen unseres Engagement.

In der Tradition des Weltkongress in Rom 1904 gründen die Anwesenden oder Vertreter auf dem Weltkongress in Oslo am 10.August 2011 eine IVFD (Internationale Vereinigung der Freidenker) [AILP (Association Internationale de la Libre Pensée)] und beschließen zwei Kampagnen zu bewerkstelligen: die Wahrheit über die Finanzierung der Religionen zu erfahren und Gerechtigkeit für die Opfer der Kirchen.

Weil wir für Gewissensfreiheit sind, was die Trennung von Kirchen und Staat bedeutet, wollen wir , dass die Finanzierung der Kirchen , die „purpurne Wirtschaft“, die die Staatshaushalte auf Kosten der Gesundheits-, Bildung und andere Budgets belasten und deren Empfänger sich selbst als „spirituell“ bezeichnen, deutlich gemacht wird.

Wir wollen, dass den Opfern der Kirchen Gerechtigkeit widerfährt.

Gerechtigkeit ist nicht Reue.

Reue ist ein religiöser Wert und betrifft nur die Kirchen,die sich selbst oberhalb der menschlichen Gesetze etablieren.

Wir wollen Gerechtigkeit, dies bedeutet : Wenn die Schuld anerkannt wird, erfordert dies auch juristische, finanzielle und moralische Sanktionen.

Gerechtigkeit für die Missbrauchsopfer der Kirchen. Sexueller Missbrauch in den Kirchen erweist sich als Institution in der Institution.

Justiz für die Diskriminierungsopfer des Vierten Konzil im Lateran 1215, Verurteilung der Juden den Judenhut oder gelben Fleck zu tragen, die Inquisition trifft gleichermaßen Juden, Moslems oder „Häretiker“.

Gerechtigkeit für die kolonisierten und „evangilisierten“ Völker, entrechtet ihrer Rechte und ihrer Habe in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nordamerika. Um die Parolen von J.Kenyatta zu übernehmen: „Als die Weißen nach Afrika kamen, hatten wir das Land und sie die Bibel. Sie haben uns gelehrt mit geschlossenen Augen zu beten, als wir die Augen öffneten hatten die Weißen das Land und wir die Bibel“.

Wir wollen die volle Freiheit in der Wissenschaft, im gegenseitigen Respekt.

Wir wollen, dass die Frauen über ihren Körper verfügen.

Wir wollen die volle Trennung von Bildung und Religionen. Familien sind frei zu entscheiden, wie sie ihre Kinder erziehen, Bildung aber kann nur Aufgabe der öffentlichen Schule sein.

Wir machen den Menschen keine Vorwürfe für ihre Meinungen.

Wir werfen den Institutionen vor, Meinungen vorschreiben zu wollen.

Perspektiven

Wir, Anwesende oder Vertreter auf dem Weltkongress der Freidenker in Oslo, konfrontiert einerseits mit unseren Untersuchungen und anderseits mit der Situation der entscheidenden Frage der Gewissensfreiheit, ohne uns an die Stelle anderer nationaler und internationaler Vereinigungen und Organisationen setzen zu wollen, bekräftigen:

  • Gewissensfreiheit ist Grundrecht der Demokratie.
  • Gewissensfreiheit ist Grundrecht der Emanzipation der Menschheit.

Wir verpflichten uns:

  • Diese Freiheit überall und für alle zu verteidigen.
  • Bekunden solidarisch und feierlich unsere Solidarität mit all denjenigen, die wegen ihrer Meinungen verfolgt werden.
  • Fragen all diejenigen die sich in diesem Manifest wiedererkennen mit uns diesen Kampf zu führen.
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